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Coming-out bei Polyamorie: Ob, wann und wie du es erzählst

Es gibt Menschen in deinem Leben, die ganz genau wissen, wie du lebst und liebst. Und es gibt die anderen. Zwischen diesen beiden Gruppen verläuft eine Linie, und sie entscheidet mit darüber, wie wohl du dich fühlst. Genau an dieser Linie stellt sich für viele Menschen die Frage nach einem Coming-out bei Polyamorie. 

Denn irgendwann kommt die Frage: „Und, wie war dein Wochenende?“ Eine banale Frage. Doch für viele Menschen, die in alternativen Beziehungen leben, bringt genau sie sofort Unbehagen mit sich. Du erzählst vielleicht von deiner Partnerperson und den Kindern, aber nicht von dem Menschen, der dieses wunderschöne Wochenende ebenfalls mit euch verbracht hat: deiner weiteren Beziehungsperson. Denn du lebst nicht nur mit einem Menschen in einer Beziehung, sondern mit mehreren. Und damit stellt sich irgendwann die Frage nach einem Coming-out bei Polyamorie.

Coming-out oder Outing? 

Die beiden Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet, meinen aber etwas sehr Unterschiedliches. Ein Coming-out ist deine eigene, freiwillige Entscheidung, anderen von deiner Beziehungsform, deiner Geschlechtsidentität oder deiner sexuellen Orientierung zu erzählen. Von einem Outing spricht man dagegen, wenn jemand anderes das ohne deine Zustimmung öffentlich macht. In diesem Artikel geht es um das Coming-out, also um deinen Weg und deine Entscheidung.

Warum ein Coming-out bei Polyamorie so schwer sein kann

Monogamie gilt immer noch als selbstverständliche Lebensform und Norm. Andere Beziehungsformen bleiben dadurch oft unsichtbar. Meine Klient:innen erzählen mir immer wieder, wie belastend es ist, einen Teil des eigenen Lebens zu verstecken, und wie schwer ihnen deshalb ein Coming-out fällt.

Und wenn sie diesen Schritt gehen, werden sie schnell mit Vorurteilen oder persönlichen Meinungen konfrontiert, etwa: „Dann liebst du ja niemanden richtig“ oder „So könnte ich aber nicht leben.“ Sich dem zu stellen, kostet Kraft, und diese Kraft ist nicht immer da.

Ein Coming-out ist keine Pflicht

Du darfst selbst entscheiden, wer was wissen darf und wem du dich anvertrauen möchtest. Ob du ein Coming-out hast oder nicht, sagt nichts darüber aus, ob du mutig oder schwach bist. Es gibt Lebensphasen und Menschen, bei denen wir uns nicht sicher genug fühlen, um diesen Schritt zu gehen. Und das ist in Ordnung.

Fragen, die dir bei der Entscheidung helfen

Diese Fragen können dir helfen herauszufinden, ob sich ein Coming-out für dich gerade stimmig anfühlt:

1. Was erhoffe ich mir vom Coming-out? Vielleicht wünschst du dir mehr Nähe zu einem Menschen, der dir ohnehin wichtig ist. Oder du spürst, dass es dich entlasten würde, wenn diese Person auch diesen Teil von dir kennt.

2. Wie sicher bin ich bei dieser Person, emotional, beruflich oder rechtlich? Könnte sie dir mit diesem Wissen schaden, zum Beispiel, indem sie dich gegen deinen Willen vor anderen outet? Und hätte das Folgen, die du im Moment nicht tragen könntest?

3. Wie stehen meine Partner:innen dazu? Dein Coming-out betrifft auch sie, denn mit dir werden auch sie sichtbar. Sprecht deshalb vorher miteinander.

4. Wie stabil bin ich gerade? Fühlst du dich stabil genug, um auch mit einer negativen Reaktion umzugehen? Und wer könnte dir dann zur Seite stehen?

Wenn du dich für ein Coming-out entscheidest

Wähle einen Ort, an dem du dich sicher fühlst, und einen guten Zeitpunkt. Fang mit den Menschen an, bei denen du dich am sichersten fühlst. Das können enge Freund:innen sein, ein Geschwisterteil oder jemand aus deiner Familie, dem du besonders vertraust. Gerade bei der Familie kann es helfen, dir vorher zu überlegen, was du erzählen möchtest und was vielleicht noch nicht.

Gib deinem Gegenüber Zeit, die Information zu verarbeiten. Eine zurückhaltende erste Reaktion ist oft keine Ablehnung deiner Person, sondern eine kurze Überforderung. Manchmal berührt ein Coming-out beim Gegenüber eigene Themen, die noch nicht geklärt sind. Das kann sich wie Abwehr anfühlen, richtet sich aber nicht gegen dich.

Und du musst nicht alle Fragen beantworten. Du darfst entscheiden, wo deine Grenzen liegen.

Du musst diesen Weg nicht allein gehen

Ich begleite Menschen einzeln oder gemeinsam mit einer oder mehreren Partnerpersonen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, vereinbare gern einen Termin für ein Erstgespräch.

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